Blasenschwäche durch Schwangerschaft und Entbindung

Weiblich, jung und schwache Blase

Bonn, 30.09.10 Ständiger Harndrang, ungewolltes Tröpfeln beim Niesen, nächtliche Toilettengänge: Blasenschwäche ist unter Schwangeren und jungen Müttern weit verbreitet. Um zu verhindern, dass sich eine ausgeprägte Inkontinenz entwickelt, sollten Frauen bereits in der Schwangerschaft vorbeugen und bei Problemen umgehend ärztlichen Rat einholen.

Rund ein Viertel aller Frauen zwischen 25 und 35 Jahren leidet als Folge von Entbindungen zumindest vorübergehend an Harninkontinenz. Während der Schwangerschaft hat jede zweite bis dritte Frau Probleme mit der Blase: Vor allem beim Heben schwerer Lasten, beim Treppensteigen oder bei plötzlichem Druckaufbau durch Husten oder Niesen hält die Blase nicht ausreichend dicht. Hinzu kommt oftmals ein starker Harndrang, der so unvermittelt einsetzen kann, dass die Betroffenen es nicht mehr rechtzeitig zur Toilette schaffen. Frauen, die bereits während der Schwangerschaft unter fachlicher Anleitung ihre Beckenbodenmuskulatur stärken, können ihr Risiko für eine Blasenschwäche senken – das hat eine norwegische Studie1 ergeben.

Schwangerschaft belastet den Beckenboden

Ein erhöhter Harndrang während der Schwangerschaft bleibt meistens nicht aus. Denn das Schwangerschaftshormon Progesteron regt die Nierentätigkeit an und es wird mehr Urin produziert. Gleichzeitig drücken die Organe im Beckenbereich im Laufe der Schwangerschaft zunehmend auf die Blase. Eine kräftige Beckenbodenmuskulatur kann aber dafür sorgen, dass sich keine ausgeprägte Inkontinenz entwickelt: Der Beckenboden dient als äußeres Verschlusssystem der Harnblase und sorgt im Idealfall dafür, dass die Blase auch bei körperlicher Belastung den Urin vollständig halten kann. Die hormonellen Veränderungen sowie mechanische Belastungen durch Schwangerschaft und Geburt schwächen den Beckenboden und damit den Verschlussmechanismus der Blase. Auch nach der Entbindung sollten Frauen daher konsequent ihre Beckenbodenmuskulatur trainieren, und zwar unabhängig davon, ob sie auf natürlichem Wege oder durch Kaiserschnitt entbunden haben.

Auch Harnwegsinfektionen schwächen die Blase

Der plötzliche, kaum zu kontrollierende Harndrang liegt oftmals in einer dauerhaften Blasenreizung begründet. Häufige Ursache hierfür sind Harnwegsinfektionen, für die Schwangere besonders anfällig sind. Progesteron erweitert das Nierenbecken und den Harnleiter, sodass Keime leichter eindringen können. Oberstes Gebot ist es, trotz des ständigen Harndrangs ausreichend zu trinken, um mögliche Krankheitserreger rasch wieder auszuspülen. Bei ersten Hinweisen auf eine Harnwegsinfektion sollten Frauen sofort den Arzt aufsuchen. Für Schwangere ist es ohnehin sinnvoll, regelmäßig ihren Urin untersuchen zu lassen, weil Harnwegsinfektionen nicht nur eine Blasenschwäche begünstigen, sondern auch vorzeitige Wehen auslösen können.

Blasenschwäche muss nicht sein

Frauen müssen sich mit ihrer Blasenschwäche nicht abfinden, denn es gibt eine Vielzahl von Behandlungsmöglichkeiten, die – oftmals in Kombination – eine deutliche Besserung erzielen. Beckenbodengymnastik und ist der Grundpfeiler bei der Behandlung einer Belastungsinkontinenz. Den übermäßigen Harndrang bekommen viele Frauen mit einem Toilettentraining in den Griff, bei dem sie ganz bewusst den Zeitpunkt des Wasserlassens trainieren. Erleichterung bringen hier außerdem Medikamente, welche die dauerhaft angespannte Blasenmuskulatur lockern. Nähere Informationen enthält die Broschüre „Blasenschwäche bei Frauen“, die kostenlos beim Bundesverband für Gesundheitsinformation und Verbraucherschutz e.V. (BGV) angefordert werden kann. Bestelladresse: BGV e.V., Heilsbachstraße 32, 53123 Bonn, www.frauen-blasenschwaeche.de.

1 Siv Mørkved et al., "Pelvic Floor Muscle Training During Pregnancy to Prevent Urinary Incontinence: A Single-Blind Randomized Controlled Trial”, Obstetrics & Gynecology Vol. 101, No. 2, p 313-319, February 2003