Wissenschaftlich belegt:

Beckenbodentraining bringt’s bei Blasenschwäche

Bonn, 27.10.14  Bei Blasenschwäche empfehlen Ärzte meist ein gezieltes Beckenbodentraining. Dass diese Maßnahme wirklich etwas nützt, haben unabhängige Wissenschaftler jetzt nach Auswertung mehrerer Studien zu diesem Thema bestätigt. Die größte Wirkung hat das Training bei reiner Belastungsinkontinenz. Doch auch andere Formen der Blasenschwäche sprechen gut darauf an.

Wissenschaftler des Cochrane-Instituts1 haben achtzehn Studien2 zur Wirksamkeit des Beckenbodentrainings bei Inkontinenz unter die Lupe genommen. Das Ergebnis spricht eindeutig für diese Therapieform, vor allem bei reiner Belastungsinkontinenz: Mit Training erzielten achtmal mehr Frauen eine Heilung, siebzehnmal mehr Frauen zumindest eine deutliche Besserung der Beschwerden. In den Untersuchungen, die auch Frauen mit Drang- oder Mischinkontinenz eingeschlossen hatten, war der Effekt kleiner, aber immer noch überzeugend.

Die Experten raten betroffenen Frauen, über mindestens drei Monate ein individuelles Training unter fachlicher Anleitung in Einzel- oder Gruppentherapie durchzuführen. Die Wirkung kann den Studienergebnissen zufolge über ein Jahr anhalten. Dennoch ist es sinnvoll, über den Mindestzeitraum hinaus in Eigenregie weiter zu trainieren. Auch für ältere Frauen, die nicht mehr so beweglich sind, gibt es wirksame Übungen für zuhause.

Bei Drang- und Mischinkontinenz ist Beckenbodentraining wichtig, aber nicht ausreichend. Gegen den übersteigerten Harndrang kommen meist Medikamente zum Einsatz, die die Blasenmuskulatur entspannen und das Fassungsvermögen der Blase erhöhen. Darüber hinaus ist ein Blasentraining hilfreich, bei dem die Abstände zwischen den Toilettengängen Schritt für Schritt vergrößert werden.

Fünf illustrierte Beckenbodenübungen zum Nachmachen sowie Informationen zu Ursachen, Diagnose und Therapie der verschiedenen Formen der weiblichen Inkontinenz enthält die kostenlose Broschüre „Blasenschwäche bei Frauen.“ Bestelladresse: BGV e.V., Heilsbachstraße 32, 53123 Bonn, www.frauen-blasenschwaeche.de.

(1)    Die Cochrane Collaboration (CC) ist ein weltweites unabhängiges Netzwerk von Wissenschaftlern, Ärzten und Patientenvertretern. Die CC erstellt Übersichtsarbeiten, in denen Studien zu Therapien geprüft und bewertet werden. Ziel ist es, Patienten, Ärzten und anderen Interessierten die Entscheidung über Behandlungsmöglichkeiten zu erleichtern, www.cochrane.de

(2)    Dumoulin C, Hay-Smith EJC, Mac Habée-Séguin G. Pelvic floor muscle training versus no treatment, or inactive control treatments, for urinary incontinence in women. Cochrane Database of Systematic Reviews 2014, Issue 5. Art. No.: CD005654. DOI: 10.1002/14651858.CD005654.pub3.